
Elisabeth am Schwungtuch: Ihre Nummer war eine der ausgereiftesten – Foto: GOP Varieté-Theater München
Gestern am 28.08.2012 präsentierte das GOP Varieté-Theater München eine seiner Extra-Vorstellungen, denn für nur einen einzigen Abend waren die Absolventen der Staatlichen Artistenschule Berlin zu Gast in München, um ihr Programm zum Abschluss ihrer Ausbildung vorzustellen. Alle artistischen Darbietungen, mit denen die Akteure Mitte Juni 2012 die Abschlussprüfung zum staatlich geprüften Artisten/zur staatlich geprüften Artistin bestanden haben, waren eingebettet in eine sportliche Show. Unter dem passenden Motto “S.P.O.R.T. – Moving People” wurde ein Varieté-Erlebnis auf die Beine gestellt und auf die Bühne gebracht, das sich insofern von anderen Programmen unterschied, als dass etwas weniger Wert auf den allgemeinen roten Faden und Dramaturgie gelegt wurde. Im Fokus stand primär die sportliche Leistungsfähigkeit der Artisten.
Diese Schwerpunktsetzung war durchaus eine angenehme Abwechslung zu anderen Varieté-Shows, bei denen zwar jeder Handgriff und jedes Detail sitzt, wodurch allerdings oft die Wertschätzung seitens des Publikums verloren geht, wie schwer die demonstrierten Kunststücke eigentlich sind. Denn wenn alles komplett mühelos aussieht, vergisst der Zuschauer oftmals, wieviel harte Arbeit und Disziplin in den einzelnen Elementen einer Show steckt.
Beim Gastspiel von “S.P.O.R.T. – Moving People” in München gab es zwar einige kleine Patzer der Artisten, was die Show als Ganzes aber nur aufgewertet hat. Schließlich standen hier frisch gebackene Absolventen auf der Bühne, die ihre ersten Erfahrungen sammeln. Umso erstaunlicher war es, dass einige Nummern bereits zur Perfektion ausgefeilt waren. Besonders hervorzuheben ist hierbei die zweite Nummer des Abends, bei der der junge Artist Max am Chinese Pole ein Feuerwerk sondersgleichen entzündete. Bereits nach wenigen Momenten demonstrierte er den ersten Salto am Mast, nur um danach sofort mit anderen extremst waghalsigen Kunststücken nachzulegen. Am imposantesten war wohl sein “freier Fall” von der Spitze des Mastes, den er erst im allerletzten Moment wenige Zentimeter über den Brettern die die Welt bedeuten abbremste; kopfüber, versteht sich.
Max’ Nummer setzte den Ton für den Rest des Abends und machte schnell klar, worauf man sich einzulassen hatte: Eine Truppe junger Künstler, deren Ziel es war zu demonstrieren, was sie alles können. Oftmals kam es einem so vor, als würde jeder Trick, jedes Ass im Ärmel ausgepackt werden – was beachtlich ist, denn die Artisten dieser Show stehen wie gesagt erst am Anfang ihrer Karriere und haben noch viel Zeit sich zu entwickeln und demnach noch Luft nach oben… oder zumindest bist zur Spitze des Chinese Pole.
Hervorgehoben seien auch die Kostüme der Show, wie zum Beispiel das Muay Thai Outfit samt Boxhandschuhen, welchem die Ballerina Polina durch ihren innovativen Tanz eine ungeahnt erotische Note verlieh. Verantwortlich für die Kostüme war größtenteils der Belgier Marc Bogaerts. Von diesem in Berlin lebenden Regisseur stammte auch viel Input für den Aufbau der Show und ihm und seiner Truppe ist ein Lob dafür auszusprechen, ein so rundes Programm auf die Beine gestellt zu haben, das trotz der beachtlichen Anzahl an Künstlern nicht zu überfüllt wirkte.
Hut ab! Auf eine lange und großartige Varieté-Karriere! (-:
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